Lernen im Gleichgewicht – ein ausgewogenes Bildungsmodell

Lernen im Gleichgewicht basiert auf lernbiologischen, neurophysiologischen und therapeutischen Erkenntnissen, dass jegliche Entwicklung auf Bewegung, Ausgleich und Harmonie beruht. J. H. Pestalozzi  benannte dies das Bildungsprinzip «Kopf – Herz – Hand». Der Gleichgewichtssinn nimmt darin eine Schlüsselstellung ein.

In der Merkmal! – Schule wird dieses Prinzip durch den täglichen Einbezug von Balance-Elementen im Unterricht berücksichtigt, um Bewusstheit, Achtsamkeit und Leistungsfähigkeit zu steigern. Dies beinhaltet folgende Übungsbereiche:

  • Balanciertraining
  • Wahrnehmungstraining
  • Bewegungskoordination
  • Spiel, Sport, Stabfechten
  • Rezitation, Rollenspiel

 

Balanciertraining

Dank dem Üben auf Wippen, Schaukeln, Schwebebalken, Trampolin und mit Bällen oder Stäben verbessern sich das Vestibulärsystem kontinuierlich. Dies wirkt sich auf die Konzentrationsfähigkeit, das Gedächtnis und die Selbstkontrolle der Kinder positiv aus. Nicht nur bei Lernverlangsamung oder AD(H)S ist dies besonders spürbar, sondern auch generell in der Lernmotivation, dem aktiven Interesse und dem verantwortungsbewussten Handeln bei allen Kindern.

Wahrnehmungstraining

Das Ziel des sensorischen Trainings besteht darin, die Aktivierung mehrerer Sinnesfunktionen in den Unterricht einzubeziehen und gezielt zu trainieren. Dieses Übungsfeld gibt den Lehrpersonen Hinweise zur Sinnesverarbeitung, zu Lernwiderständen oder anderen Schwierigkeiten. Das tägliche Üben hilft, das Zusammenwirken aller Sinnesfunktionen zu stärken, um das Lernen zu erleichtern.

Die Wahrnehmungsförderung wird in der Merkmal! – Schule häufig im Kreis praktiziert, so dass gleichzeitig das Zusammengehörigkeitsgefühl aufgebaut wird. Dazu gehören auch das Vorlesen und Erzählen von Geschichten, das Besprechen des Sozialverhaltens und die Gespräche im Klassenrat.

Die Beachtung von persistierenden Restreaktionen frühkindlicher Reflexe und ihrer Auswirkungen auf das Lernen und Verhalten ermöglicht weitere fördernde Massnahmen in den Entwicklungsprozess einzubeziehen.

Bewegungskoordination

Die Erfahrungen mit Übungen für die Körperkoordination bestätigen uns, dass Lernprozesse positiv beeinflusst werden, wenn Hände, Füsse, Stimme und Gruppengefühl gleichzeitig aktiviert werden. Die Merkmal! – Schule bedient sich dazu einfacher Sing- und Tanzspiele, attraktiver Körperpercussion und anspruchsvoller Percussions-Arrangements. Durch regelmässige Bewegungskoordination werden Aufmerksamkeit, Achtsamkeit und Selbststeuerung auf spielerische Weise geschult.

Im Trommelkreis vereinen sich trommelnde, singende und musizierende Menschen, welche Freude an Rhythmen und einfachen Gesängen haben. Sowohl jene, die noch nie Musik gemacht haben wie auch erfahrene Trommler kommen so zusammen. Alle teilen die gemeinschaftliche Freude auf ihre persönliche Weise mit der Gruppe. Das positive Grundgefühl und die starken Energien tragen alle Beteiligten nachher noch lange in sich.

Sport, Spiel und Stabfechten

Wenn kleine Kinder die Welt entdecken, dann tun sie dies spielerisch. Sie probieren die unterschiedlichsten Dinge aus, ahmen nach und erfahren die Welt sinnlich. Der uns angeborene Spieltrieb ermöglicht das Lernen durch Versuch und Irrtum. Das bedeutet, dass das Fehler machen förderlich ist, denn nur so kann das Kind zwischen falsch und richtig unterscheiden. Auf diese Weise fördert das Spielen gleich mehrere Lernprozesse auf einmal.

In der Merkmal! – Schule wird häufig gespielt, spielerisch gelernt und über Spielerfahrungen reflektiert. Spielen erzeugt Lachen, Lachen öffnet Herz und Sinne. Das sind die besten Voraussetzungen, um Freude und Ehrgeiz beim Lernen zu gewährleisten.

Die sportliche Betätigung ist eine wesentliche Voraussetzung für unsere Gesundheit. Die Bewegung muss deshalb vielseitig, zielgerichtet und sinnvoll sein, angemessen dosiert, mit Pausen, Entspannung und attraktiven Anreizen ergänzt werden. Auch die Ernährung muss darauf abgestimmt sein. Das sportliche Verhalten ist ein ebenso wichtiges Übungsfeld wie die körperliche Fitness und Beweglichkeit.

Deshalb hat sich die Merkmal! – Schule dafür entschieden, den Fokus auf «Sport im Gleichgewicht» zu richten. Dabei spielt die Balance zwischen drei Aspekten eine wesentliche Rolle:

  • Anforderungen stellen im Sinne von Kraft, Kondition, Geschicklichkeit, Können, Zielsetzung.
  • Anreize geben im Sinne von Animation, Vorbild, Wettkampf.
  • Aneignungen gewährleisten im Sinne von üben, trainieren, sich überwinden, Grenzerfahrungen.

Beim Stabfechten sehen weitere Faktoren im Vordergrund, welche im Sportunterricht meist nicht vorrangig sind. Einige davon sind:

  • Der Stab wirkt als Verlängerung des Armes. Den Stab führen zu können schult die Körperbeherrschung, das Vertrauen und das Bewusstsein grösserer Wirksamkeit.
  • Im Wahrnehmungsfeld stehen Augen und Ohren: Sinnliche Raumerfassung, den Blickwinkel ändern, Fokus und Überblick halten.
  • Die Aufmerksamkeit ist der einzige Schutz, den es als Schild zu nutzen gilt.
  • Mit einem Partner zu kämpfen erfordert Verantwortung für die Konsequenzen des eigenen Handelns. Durch ihn kann ich meine eigenen Stärken und Schwächen unmittelbar erkennen.
  • Der Partner spiegelt mein Handeln. Das Zusammenspiel fordert meine ganze Präsenz und fördert meine soziale Kompetenz und das gemeinsame Lernen.
  • Durch das Kampfspiel mit Stäben entsteht ein nonverbaler Dialog mit unmittelbar erfahrbaren Folgen.
  • Wer fechtet, stärkt seine Absicht, erfährt Klarheit und baut die eigene Kommunikationsfähigkeit weiter aus.

Rezitation und Theater

Kinder zeigen uns deutlich, dass alles Lernen durch Bewegung, Beziehung und Kommunikation verstärkt wird. Die Merkmal! – Schule setzt deshalb die tägliche Rezitation von Gedichten und Balladen in der Ausdrucksschulung ein. Es ist ein wichtiges verbales und gestisches Kommunikationselement, mit dem sich die Kinder den Zugang zur poetischen Welt schaffen.

Das Rezitieren gehört zu den besten und langfristig wirksamsten Erfahrungen der Jugendzeit. Rezitieren unterstützt das Rollenspiel und bildet die Vorstufe zum Theaterspiel. In der Merkmal! – Schule geben wir den Kindern die Möglichkeit, sich immer wieder theatralisch zu betätigen, sich zu verwandeln, zu verkleiden, in verschiedene Rollen zu schlüpfen. In der Phantasiewelt des Theaterspiels können sie ihre Gefühle und phantastischen Vorstellungen zum Ausdruck bringen.